Selbstverteidigung beginnt nicht erst wenn jemand zuschlägt. Die meisten gefährlichen Situationen lassen sich vermeiden bevor sie eskalieren – durch Aufmerksamkeit, richtiges Verhalten und das Wissen was in bestimmten Momenten zu tun ist. Dieser Guide gibt praktische Orientierung für alltägliche Situationen die viele kennen aber selten thematisieren.
Situationsbewusstsein – der wichtigste Schutz
Der beste Selbstschutz ist das Erkennen von Gefahr bevor sie entsteht. Das klingt einfach – ist es aber nicht automatisch. Wer mit dem Handy beschäftigt ist, Kopfhörer trägt oder gedankenversunken geht nimmt seine Umgebung kaum wahr.
Konkrete Gewohnheiten die helfen: Handy wegstecken wenn du alleine unterwegs bist – besonders nachts. Kopfhörer auf einem Ohr oder ganz herausnehmen. Kopf hoch, Blickkontakt mit der Umgebung. Auf Menschen achten die langsamer werden wenn du langsamer wirst, oder schneller wenn du schneller gehst.
Das ist keine Paranoia – es ist einfach Aufmerksamkeit.
Auf dem Heimweg
Der Heimweg nachts ist eine der häufigsten Situationen in denen sich Menschen unsicher fühlen.
Route bewusst wählen. Belebte Straßen bevorzugen auch wenn der Umweg länger ist. Dunkle Gassen und menschenleere Parkplätze meiden.
Vertraute Person informieren. Wenn du spät alleine heimgehst – jemandem kurz Bescheid geben. Eine einfache Nachricht kostet nichts und gibt Sicherheit.
Auf Abstand achten. Wenn jemand zu nah aufschließt oder dieselben Abbiegungen macht – in ein Lokal oder Geschäft gehen, Tempo ändern, Route wechseln.
Nicht zögern Hilfe zu holen. Wenn sich eine Situation komisch anfühlt – auf Menschen zugehen, in ein Lokal eintreten, die Polizei anrufen. Das Bauchgefühl ist oft richtig.
Öffentliche Verkehrsmittel
U-Bahn, Straßenbahn und Bus sind in Wien grundsätzlich sicher – aber es gibt Situationen die unangenehm werden können.
Bewusst hinsetzen. Nähe zur Türe, nicht in leere Wagons einsteigen wenn es Alternativen gibt.
Bei Belästigung laut und direkt ansprechen. Nicht bitten – klar und bestimmt. „Hören Sie auf“ ist wirksamer als eine leise Bitte. Andere Personen gezielt ansprechen – nicht allgemein um Hilfe rufen sondern konkret: „Sie mit der roten Jacke – bitte rufen Sie die Polizei.“
Aussteigen wenn sich eine Situation entwickelt. Die nächste Station ist immer eine Option.
Parkhaus und Tiefgarage
Parkhäuser und Tiefgaragen erfordern besondere Aufmerksamkeit – schlechte Beleuchtung, wenig Menschen, viele Ecken.
Auto aufschließen bevor du hineingehst – nicht erst wenn du davor stehst.
Schlüssel griffbereit halten – nicht in der Tasche suchen müssen.
Bei mulmigem Gefühl umkehren. Das Auto kann warten – das Gefühl nicht ignorieren.
Aufzüge mit Unbekannten. Wenn jemand ein unangenehmes Gefühl gibt – die Treppe nehmen oder auf den nächsten Aufzug warten.
Wenn eine Situation eskaliert – was dann?
Deeskalation ist immer die erste Option. Laut, klar und bestimmt sprechen – nicht aggressiv aber unmissverständlich. Viele Situationen lassen sich durch klares Auftreten entschärfen bevor körperlicher Kontakt entsteht.
Wenn Deeskalation nicht möglich ist und körperliche Verteidigung notwendig wird gilt ein einfaches Prinzip: schnell, direkt, dann weg. Keine langen Auseinandersetzungen – verteidigen und sofort die Situation verlassen.
Das klingt simpel. Unter echtem Stress ist es das nicht – weil der Körper in Schockstarre verfällt wenn er nicht trainiert hat. Genau das ist der Unterschied zwischen jemandem der Selbstverteidigung nur kennt und jemandem der sie regelmäßig trainiert.
Bei FIVE trainieren wir im Krav Maga genau diese Situationen – Heimweg, Bedrohung, Angriff von hinten, enge Räume. Nicht als Sportart sondern als Vorbereitung auf das was im Alltag tatsächlich passieren kann.
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Notruf und Hilfe holen
Notruf 133 – Polizei, kostenlos, rund um die Uhr erreichbar.
Wer in einer Situation nicht sprechen kann oder will hat eine weitere Option: Die App DEC112 ist die offizielle österreichische Notruf-App die einen stillen Alarm an die Polizei sendet. Sie wurde ursprünglich für Gehörlose entwickelt – ist aber für alle nutzbar.
Selbstverteidigung lernen – der nächste Schritt
Das Wissen aus diesem Artikel ist ein guter Anfang. Was es nicht ersetzen kann: das Training unter realen Bedingungen. Techniken die man nur gelesen hat sind unter Stress nicht abrufbar – Techniken die man hunderte Male trainiert hat schon.
Wer Selbstverteidigung ernsthaft erlernen möchte findet bei FIVE im 18. Bezirk seit 2014 ein strukturiertes Krav Maga Training – für Einsteiger genauso wie für Fortgeschrittene. Das Probetraining ist kostenlos und unverbindlich.

